KARL als Hoffnung für Kommunen bei Abwasserbehandlung
KARL als Hoffnung für Kommunen bei Abwasserbehandlung
Die Verleihung von Markt- und Stadtrechten ist in vielen Gemeinden der Region dem deutschen Kaiser Karl IV. zu verdanken. Nun soll „KARL“ wieder helfen. Wie soll das nach 650 Jahren gehen?
Kanalnetze und Kläranlage sind teuer. Aktuell machen die Kosten der Leitungs- und Anlagenerneuerungen, verbunden mit einer pflichtgemäßen Digitalisierung der Netze und hydraulischer Berechnungen, den Kommunen zu schaffen. Nun kommen weitere Anforderungen an die Abwasserbehandlung hinzu. Das Klärwerkspersonal elektrisiert das Stichwort „KARL“. So wird die Kommunale Abwasserrichtlinie genannt, ist sie als europäische Vorgabe für alle Mitgliedsstaaten am ersten Januar 2025 in Kraft getreten. Sie ist ein großer Schritt hin zur nachhaltigen Wasserbewirtschaftung und verschärft die Anforderungen an die Abwasserbehandlung massiv, betonte Diplom-Ingenieur Michael Fug als Vertreter der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) bei einem Klärwärtertreffen in Eschenbach.
Fachlicher Austausch in Eschenbach
Bei dem sogenannten Nachbarschaftstag trafen sich die Klärwärter- und Meister aus dem NEW-Landkreis-Westen und der Stadt Weiden in der Kläranlage in Eschenbach, um Näheres über die Inhalte der neuen EU-Richtlinie zu erfahren. „Eine wegweisende Herausforderung und ein Instrument, das helfen soll, nach über 30 Jahren die Anforderungen an die Abwasserbehandlung umfassend zu überarbeiten“, erläuterte der Abwasser-Experte.
Im Zentrum der neuen Richtlinie stehen strengere Grenzwerte für Stickstoff und Phosphor und die Einführung innovativer Konzepte, wie der Energieneutralität und der vierten Reinigungsstufe. Für die meisten Kommunen relevant ist die Vorgabe eines Mindeststandards von eintausend Einwohnerwerten (EW) für die Abwasserbehandlung. Derzeit sind es noch zweitausend EW. Der Einwohnerwert entspricht dem durchschnittlichen Abwasseraufkommen einer Person pro Tag. Die Richtlinie gibt eine Umsetzung in allen EU-Staaten bis 2027 vor.
Wissenstransfer und wirtschaftliche Aspekte
Nach einer Besichtigung der Eschenbacher Anlage, die in Doppelfunktion das Schmutz- und Mischwasser aus der Stadt und die Schmutzwasserfrachten aus der US-Siedlung NewTown zu bewältigen hat, ging es dem Seminarleiter nicht nur um interessante Tipps zur neuen EU-Richtlinie, zum Kanalbetrieb und den Unterhalt der Kläranlagen. Thema waren zudem die Gefahrenabwehr, neue Messmethoden und Schadensbehebungen. Wichtig war für den „Abwasser-Papst“ auch der Erfahrungsaustausch unter den „Saubermännern“. Für alle Fachkräfte ein aufschlussreicher Fortbildungstag, bei dem auch der wirtschaftliche Aspekt beim Betrieb der Anlagen und die Möglichkeiten staatlicher Zuwendungen zur Sprache kamen.
Investitionen und Anerkennung
Für den Eschenbacher Betriebsleiter Andreas Bernhardt ein wegweisendes Instrument, die Kosten der jüngsten Investitionen der Stadt in die nachzurüstende energetische und maschinentechnische Einrichtung und für die Pumpen- und Belüftungstechnik mit einem Fördersatz von 70 Prozent bei Gesamtaufwendungen von zirka 400.000 Euro für die Stadt und letztlich für den Geldbeutel der gebühren- und beitragspflichtigen Bürger in Grenzen zu halten.
Auch die Umstellung der Photovoltaik-Dachanlagen auf Eigennutzung trage dazu bei, die teuren Stromkosten zu begrenzen. 365 Tage im Jahr für Stadt, Bürger und eine saubere Umwelt unterwegs zu sein, bedürfe der besonderen Wertschätzung, lobte Bürgermeister Marcus Gradl in einem Grußwort das Engagement des Fachpersonals.

