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Nordoberpfalz: Gewerkschaft warnt vor mehr Überstunden

Weiden und die Kreise Neustadt und Tirschenreuth schieben Millionen Überstunden, viele unbezahlt. Die NGG warnt vor den Auswirkungen der geplanten Abschaffung des 8-Stunden-Tages durch die Bundesregierung.

Weiden und die Kreise Neustadt und Tirschenreuth schieben Millionen Überstunden, viele unbezahlt. Die NGG warnt vor den Auswirkungen der geplanten Abschaffung des 8-Stunden-Tages durch die Bundesregierung.
Foto: NGG | Tobias Seifert

Nordoberpfalz: Gewerkschaft warnt vor mehr Überstunden

In der Nordoberpfalz sammeln sich die Überstunden. Allein in Weiden wurden vergangenes Jahr rund 889.000 zusätzliche Arbeitsstunden geleistet. Unglaublich, aber wahr: Etwa 464.000 dieser Stunden wurden nicht bezahlt. Noch mehr, nämlich 1,2 Millionen Stunden, kamen im Landkreis Neustadt/WN Waldnaab hinzu – auch hier ohne Bezahlung für 653.000 Stunden. Im Landkreis Tirschenreuth sieht es ähnlich aus mit einer Million Mehrarbeitsstunden, von denen 546.000 Stunden unbezahlt blieben. Das gab die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in einer Pressemitteilung bekannt.

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Überstunden in der Gastronomie

Besonders in der Gastronomie seien die Zahlen erschreckend. Im letzten Jahr leisteten Beschäftigte in Weidens Hotels und Gaststätten etwa 13.000 Überstunden, im Kreis Neustadt waren es 17.000 und im Kreis Tirschenreuth etwa 14.000 Überstunden – allesamt unbezahlt. Eine Analyse des Pestel-Instituts zeigt: Mehr als die Hälfte aller Überstunden in der Region wurden nicht vergütet.

Kritik an Arbeitszeit-Plänen der Bundesregierung

Eine besondere Sorge gilt den Plänen der Bundesregierung zur Arbeitszeitregelung. Rainer Reißfelder, Geschäftsführer der NGG Oberpfalz, warnt deutlich: „Schwarz-Rot will eine wöchentliche Höchstarbeitszeit und den 8-Stunden-Tag abschaffen.“ Dies könnte bedeuten, dass Arbeitnehmende bis zu 12 Stunden und 15 Minuten pro Tag arbeiten müssen. Reißfelder betont, dass dies zu einer noch größeren Belastung führen würde, da bereits jetzt Extrem-Arbeitswochen von bis zu 60 Stunden möglich sind.

Folgen für die Beschäftigten

Die Befürchtungen sind ernst. Längere Arbeitszeiten könnten die Gesundheit der Beschäftigten gefährden und das Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben weiter stören. “Arbeiten bis ans Limit – und darüber hinaus”, fasst Reißfelder die Situation zusammen. Hinzu kommt die Sorge, dass längere Arbeitstage besonders Frauen benachteiligen würden, die bereits jetzt den Großteil der Teilzeitjobs in der Region innehaben.

Appell an Bundestagsabgeordnete

Die NGG Oberpfalz ruft die Bundestagsabgeordneten der Region auf, sich gegen die Lockerung des Arbeitszeitgesetzes zu stellen. Reißfelder argumentiert, dass das bestehende Gesetz und die durch die NGG ausgehandelten Tarifverträge bereits genügend Flexibilität bieten. Eine weitere Ausdehnung der Arbeitszeiten sei nicht die Lösung für den Fachkräftemangel, so Reißfelder. Stattdessen müsse der Fokus auf bessere Bedingungen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelegt werden.