
Strom für unsere Zukunft (2): Ostbayernring
Strom für unsere Zukunft (2): Ostbayernring

Der Ostbayernring wird gut sichtbar mit Freileitungen vorangetrieben, während der SüdOstLink unterirdisch und damit weitgehend unsichtbar verlegt wird.


Strom für unsere Zukunft (1): SüdOstLink
Nordoberpfalz. Die Stromversorgung der Zukunft wird gerade in der Oberpfalz gebaut: Neue Strommasten werden weithin sichtbar errichtet und Erdbewegungen für ein spezielles Hochleistungsstromkabel gegraben. Die Firma "Tennet" spielt eine gewichtige Rolle.
Was ist der Ostbayernring?
Oft wird mit dem Sammelbegriff Bayernring eine geplante oder bestehende Hochspannungs-Stromtrasse in Bayern bezeichnet. Besonders prominent in diesem Zusammenhang ist der sogenannte Ostbayernring – eine rund 185 Kilometer lange 380‑kV-Freileitung, die seit den 1970er Jahren besteht. Aufgrund des massiv gestiegenen Stromverbrauchs wird derzeit diese Stromtrasse neu gebaut und für die Zukunft ertüchtigt.
Im Gegensatz zum SüdOstLink, der Gleichstrom von Schleswig-Holstein ins niederbayerische Ohu transportiert, ist der Ostbayernring eine regionale Stromautobahn für den hauptsächlich in Haushalten, Kommunen und Industrie benötigten Wechselstrom. Diese oberirdische Leitung transportiert Energie in die einzelnen ostbayerischen Regionen. Die Tennet TSO GmbH mit Sitz in Bayreuth ist als Übertragungsnetzbetreiber für Planung und Durchführung verantwortlich.
Wo verläuft die Stromtrasse des Ostbayernrings?
Der Ostbayernring verläuft vom Umspannwerk Redwitz (an der Rodach) in Oberfranken über die Umspannwerke Mechlenreuth und Etzenricht zum Umspannwerk Schwandorf. Diese Stromtrasse bildet den östlichen Teil eines geplanten bayerischen Höchstspannungsrings, dessen Westhälfte ebenfalls bereits in Betrieb ist,
Warum ist ein Neubau des Ostbayernrings notwendig?
Einerseits ist der Strombedarf seit den 1970er Jahren enorm angestiegen. Andererseits stößt der bestehende Ostbayernring aufgrund steigender dezentraler Einspeisung erneuerbarer Energien regelmäßig an seine Kapazitätsgrenzen. Deshalb wird derzeit ein Ersatzneubau mit zwei 380‑kV‑Systemen gebaut, um die bestehende 380/220‑kV-Verbindung zu ersetzen.
Um möglichst wenig Eingriffe in die Landschaft zu machen, verläuft die neue Leitung weitgehend auf einer parallel zur bestehenden Trasse, teilweise geringfügig versetzt. Er ist in mehrere Planfeststellungsabschnitte gegliedert. Im Abschnitt B-Süd (Umspannwerk Mechlenreuth/Landkreis Hof bis zum Umspannwerk Etzenricht) sollen beispielsweise auf 52,2 Kilometern 149 neue Masten errichtet werden. Die Höhen dieser Strommasten variieren, je nach Topografie zwischen 28 und 89 Metern.
Der Ostbayernring – ein Beitrag zur dezentralen Energieversorgung
Der Ostbayernring übernimmt Aufgaben, die es bei der Errichtung in den 1970er Jahren noch nicht gab. Damals wurde die Energieerzeugung von einigen wenigen Produzenten (meist Kraftwerken) übernommen. Insbesondere mit der Entwicklung der Photovoltaik ist ein völlig neues Anforderungsprofil an diese Stromtrasse entstanden. Auch die mittlerweile in der Region angesiedelten Windräder liefern Strom von vielen Anbietern, die eingespeist werden müssen, um den wachsenden Energiehunger zu stillen.
Apropos Energiehunger: Vom Elektroauto bis zum Handy oder Computer war in den 1970er Jahren weit und breit nichts zu sehen. Diesen komplett geänderten Versorgungsansprüchen wird mit dem Ostbayernring Rechnung getragen.
Welche Arbeiten passieren im Augenblick?
Daniel Wölki, Referent für Bürgerbeteiligung und Projektkommunikation, beschreibt die Arbeiten: “Derzeit finden Gründungsarbeiten statt, bei denen einerseits die Fundamente für die Strommasten erstellt werden. Andererseits werden Masten vormontiert und sukzessive aufgestellt. Parallel hat an einigen Stellen bereits der Seilzug begonnen. Die Arbeiten im Landkreis Neustadt/WN liegen derzeit voll im Zeitplan.”

Gut sichtbar sind derzeit die Baumaßnahmen entlang der Autobahn A93 und auf der Waldkuppe zwischen Mallersicht und Neunkirchen. Die dort befindlichen Gerüste sind an Punkten, an denen die Stromleitung Straßen oder Autobahnen überquert. Sie dienen als Schutz beim Seilzug und stellen sicher, dass kein Seil auf die Fahrbahn fallen kann. Selbstverständlich sind die Gerüste nur temporär und werden nach Abschluss des Seilzugs vollständig zurückgebaut.
Wann ist mit der Fertigstellung des Ostbayernrings zu rechnen?
Der Seilzug hat an einzelnen Baustellen bereits begonnen. Die Seile werden auf großen Trommeln angeliefert und zunächst mithilfe eines dünnen Pilotseils eingezogen. Je nach Trassenverlauf erfolgt dies per Seilwinde oder mit Unterstützung eines Helikopters oder einer Drohne. Anschließend werden die Seile auf die erforderliche Zugkraft gespannt.
Zur geplanten Fertigstellung meint Daniel Wölki: “Nach aktuellem Stand gehen wir von einer Inbetriebnahme der neuen 380-kV-Leitung des Ostbayernrings im Sommer 2026 aus.

Der Ostbayernring – eine Investition für die Zukunft
Kritiker sprechen teilweise von einer Verschandelung der Landschaft. Ähnlich wie bei Windrändern wird zudem eine “Verspargelung” der Landschaft befürchtet. Nüchtern betrachtet gibt es aber keine Alternative. Denn die Energiewende ist längst Realität. Allein die Vielzahl der privaten Photovoltaikanlagen hilft, die Energieerzeugung durch Verbrennung von fossilen Brennstoffen zu reduzieren oder noch besser: abzulösen.
Fakt ist: Durch den Ersatzneubau des Ostbayernrings mit zwei leistungsfähigen 380-kV-Systemen können die Kapazitäten mehr als verdoppelt werden. Das ist entscheidend, um erneuerbare Energien zuverlässig in die Verbrauchszentren Süddeutschlands zu transportieren. Alles hat seinen Preis. Der Ersatzneubau des Ostbayernrings ist deshalb eine vertretbare und gute Investition für die Zukunft.