
Jahn in Liga 3: Bei Viktoria Köln gefühlt noch im Bus – und am Ende ohne Punkte
Jahn in Liga 3: Bei Viktoria Köln gefühlt noch im Bus – und am Ende ohne Punkte

„Intensität ist unsere DNA“, lautet die Devise. Was wir dann in der ersten Hälfte bei Viktoria Köln zu sehen bekommen, ist eine neue Lesart von SSV: Der Schwimm- und Stolperverein aus der Oberpfalz verstolpert reihenweise Bälle in der eigenen Hälfte, schwimmt im eigenen 16er und bettelt mit Fehlpässen zum Gegner um Gegentore.

Die Konsequenz: 45 ordentliche Minuten in Hälfte 2 reichen nicht mal für einen Punkt. Weil die Regensburger die erste Hälfte komplett verschlafen, raunt Jahn-Trainer Michael Wimmer nach dem Schlusspfiff zurecht: „Gefühlt waren wir noch im Bus.“ Zwei Lattentreffer, Flügelstürmer Yannik Tonye, der Robin Ziegele auf drei Metern vier abnimmt und ein aufgedrehter Ex-Regensburger David Otto – schon zur Pause hätte das Duisburg-Debakel (0:4) seine rheinische Kopie erleben können.
Große Emotionen ohne Happy End
Dass es beim 0:1 bleibt, liegt mehr an Kölner Schludrigkeit als an Regensburger Stabilität – etwa, weil Lex Lobinger unbedingt mit der Hacke zaubern will (35.). Erst nach der Pause wacht der Jahn auf, bekommt mehr Zugriff und hätte fast noch einen Punkt ergaunert. Doch außer zwei Distanzböllern – einmal Pfosten, einmal glänzend pariert von Keeper Eduardo dos Santos, genannt Dudu, – bleibt’s bei Annäherungen.
In der Nachspielzeit zappelt die Kugel nach der letzten Ecke in letzter Sekunde dann doch noch wie in Ingolstadt im Kölner Netz – alle Mann im Viktoria-Strafraum, einschließlich Jahn-Keeper Felix Gebhardt, unübersichtliches Gestochere, doch die Regensburger Ekstase verpufft: Abseits. Große Emotionen nach dem Schlusspfiff, aber eben kein Happy End.

Erste Halbzeit zum Vergessen
Jahn-Trainer Michael Wimmer wirkt im Interview etwas ratlos, wenn er die unterschiedlichen Gesichter der Jahn-Mannschaft erklären soll: „Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir zwei unterschiedliche Halbzeiten sehen.“ 45 ordentliche Minuten reichen eben nicht, wenn die Defensive phasenweise flattert wie die Eckfahne im Wind. Schon nach zwölf Minuten nagelt David Otto aus spitzem Winkel die Kugel an die Latte, kurz darauf scheitert Robin Velasco nach Steilpass an Felix Gebhardt, weil Ziegele nicht hinterherkommt.
In Minute 40 dann der logische Rückstand: Nach einer Ecke köpft Lars Dietz an den Pfosten, Nicolas Oliveira klärt unglücklich genau vor die Füße von Tim Kloss, der aus kurzer Distanz zum 1:0 abstaubt. Wenige Augenblicke später verhindert die Latte den zweiten Treffer, diesmal nach einem Schlenzer von Tonye. Schockierend wie sich Regensburg in den letzten zehn Minuten der ersten Hälfte präsentiert: Mehrfach bekommt die hektische Defensive die Kugel nicht ohne Fehlpass aus dem eigenen Strafraum.

Bessere Ansätze nach der Pause
Die zweite Hälfte beginnt kaum besser: Sekunden nach Wiederanpfiff kommt Otto zentral vor dem Strafraum zum Abschluss, Gebhardt pariert. Erst nach einem dreifachen Wechsel kommt Regensburg ein wenig besser in die Partie: Michael Wimmer bringt mit Adrian Fein, Nick Seidel und Dustin Forkel frische Kräfte. Weil mit Kombinationsfußball in dieser Form heute kein Blumentopf zu gewinnen ist, versuchen es die Gäste aus der Distanz. Benedikt Bauer zwingt Dudu zur Flugparade (61.), zwei Minuten später donnert Nick Seidel den Ball an den Pfosten.
Die Einwechslung von Hoffnungsträger Florian Dietz setzt noch einmal Kräfte frei – die Körpersprache des Ex-Kölners wirkt trotz Trainingsrückstand robuster als beim gesamten Rest der Mannschaft. Doch trotz wachsender Feldvorteile bleiben zwingende Chancen Mangelware. In der 96. Minute dann der emotionale Höhepunkt des gesamten Spiels: Noel Eichinger drückt nach Ecke den Ball über die Linie, steht dabei jedoch klar im Abseits. Der Tumult verpufft, Köln jubelt über drei verdiente Punkte.

Stimmen zum Spiel
Michael Wimmer (Trainer Jahn Regensburg): „Wir haben die erste Halbzeit komplett verschlafen, waren gefühlt noch im Bus. Die linke Seite haben wir gar nicht in den Griff bekommen, wir können froh sein, dass wir nur mit 0:1 in die Pause gehen. Nach der Pause war’s deutlich besser, da hätten wir den Punkt vielleicht verdient. Aber 45 Minuten reichen nicht. Das Abseitstor war die richtige Entscheidung, das müssen wir akzeptieren. Wir nehmen mit, dass wir immer wieder bessere 45 Minuten haben – aber wenn du eine Halbzeit so herschenkst, reicht’s nicht.“
Florian Dietz (Stürmer Jahn Regensburg): „Wir haben in der ersten Halbzeit keinen Zugriff bekommen, die haben uns regelrecht hergespielt – da kann es auch 3:0 oder 4:0 stehen. Schade, weil wir eigentlich eine gute Trainingswoche hatten und gegen Köln im Pokal gezeigt haben, was die Mannschaft kann. Das müssen wir konstanter abrufen.“
Marian Wilhelm (Trainer Viktoria Köln): „Nach der ersten Halbzeit muss es eigentlich höher stehen, da sind wir dominant aufgetreten. In der zweiten Hälfte wollten wir nicht so tief stehen, sind dann aber hinten reingedrückt worden. Viel mehr als die zwei Fernschüsse haben wir aber nicht zugelassen. Deshalb ist der Sieg für mich maximal verdient.“

Bilanz der nächsten Auswärtsniederlage
- Ergebnis: Viktoria Köln – SSV Jahn Regensburg 1:0 (1:0)
- Torschütze: Tim Kloss (40.)
- Aluminium-Festival: David Otto und Robin Velasco je einmal Latte, Nick Seidel Pfosten
- Schlüsselszenen: Bauer-Distanzschuss (61., Dudu pariert), Seidel an den Pfosten (63.), Eichinger-Tor in der 96. Minute wegen Abseits aberkannt
- Gelbe Karten Jahn: Robin Ziegele, Andreas Geipl, Dustin Forkel, Noel Eichinger.